Vom ersten Gedanken zur Initiative: Warum Bamboo Builds Future entstanden ist
Warum haben wir dieses Projekt gestartet?
Vor etwa einem Jahr saß ich an meinem Schreibtisch in Accra und habe mich gefragt, wie wir mit all dem Einfluss, dem Wissen und den Erfahrungen aus über 25 Jahren unsere Arbeit stärker in den Dienst des Umweltschutzes stellen können.

Die Umweltzerstörung in Ghana hat ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Durch das illegale Goldschürfen, lokal als Galamsey bekannt, werden ganze Landstriche zerstört. Wälder werden abgeholzt, Böden unbrauchbar gemacht und Gewässer massiv verschmutzt. Beim Goldabbau werden Chemikalien wie Quecksilber und Blei eingesetzt, die in Flüsse und Böden gelangen, mit gravierenden Folgen für Mensch und Natur.
Dieses Thema beschäftigt mich schon seit Jahren. Doch je mehr Zeit vergeht, desto größer wird das Problem. Vor Ort sieht man zwar Bemühungen von Regierung, Behörden und zivilgesellschaftlichen Initiativen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Aber in der Breite schreitet die Zerstörung weiter voran.

Die Ursachen dafür sind komplex, darauf gehe ich an anderer Stelle noch ein. Für mich stellte sich an diesem Punkt eine andere Frage, was können wir konkret tun, mit dem, was wir können und wissen, um Natur zu schützen, Wälder zu erhalten und langfristig wieder aufzubauen?
Und dann kam der Gedanke: Bambus.
Bambus kann eine Alternative sein.
Ich habe mich zunächst mit Victor darüber ausgetauscht. Sehr schnell wurde uns beiden klar, dass darin ein echter Ansatz steckt. Von da an haben wir begonnen, uns intensiv mit Experten weltweit zu vernetzen.
Vor allem in Asien und Südamerika gibt es ein tiefes Wissen über Bambus, seine Nutzung und seine Möglichkeiten. Genau dort haben wir angefangen, tiefer zu recherchieren, zu lernen und erste Verbindungen aufzubauen.
Was wir vorgefunden haben
Wir haben angefangen, uns in Ghana intensiv umzuschauen und alle verfügbaren Ressourcen zu prüfen.

Wir haben Kontakt zur Forstbehörde aufgenommen, nach anderen Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftlichen Initiativen gesucht, die bereits im Bereich Bambus arbeiten. Wir haben nach bestehenden Bambuswerkstätten geschaut und nach Schreinern, die Erfahrung in der Verarbeitung von Bambus haben.
Parallel dazu habe ich internationale Organisationen kontaktiert, darunter INBAR, das internationale Netzwerk für Bambus und Rattan, sowie die World Bamboo Organization.
Doch je tiefer wir recherchiert haben, desto klarer wurde uns, dass es in Ghana zwar Bambus gibt, aber keine funktionierenden, strukturierten und nachhaltigen Ansätze, auf die wir hätten aufbauen können.
Es existieren einzelne Initiativen, aber nichts, was uns konkrete Anknüpfungspunkte oder eine verlässliche Grundlage für unsere Arbeit geboten hätte.
Bambus ist natürlich vorhanden, aber nicht zugänglich als nutzbare Ressource, weder in ausreichender Menge noch in einer Qualität oder Struktur, die eine Weiterverarbeitung im größeren Maßstab ermöglicht.
Der Moment der Entscheidung

Und dann haben Victor und ich die Entscheidung getroffen, diese Initiative voranzutreiben.
Ich habe mich mit Freunden, Spendern und Teammitgliedern ausgetauscht und gemeinsam haben wir die Initiative Bamboo Builds Future ins Leben gerufen.

Für mich war klar, wenn wir der Natur in Ghana wirklich zur Seite stehen wollen, dann müssen wir das in einem größeren, strukturierten Ansatz tun. Dabei habe ich großes Vertrauen in unsere über 25-jährige Erfahrung, in das Wissen, das wir aufgebaut haben, und in die Strukturen unseres Netzwerks, das über zwei Jahrzehnte gewachsen ist. Ebenso klar war, was dafür notwendig ist.
Wir müssen uns um die Ressource Bambus kümmern und sie in ausreichender Menge verfügbar machen. Wir müssen das Wissen über den professionellen Umgang und die Verarbeitung von Bambus ins Land holen. Und wir müssen funktionierende Lieferketten aufbauen.
Dafür brauchen wir starke Partnerschaften, sowohl lokal als auch international. Nur so kann aus dieser Idee ein Projekt werden, das langfristig trägt und wirklich Wirkung entfaltet.
Wie wir gestartet sind
Für den ersten Schritt haben wir einen lokalen Schreiner gefunden, der über das nötige Know-how, die Erfahrung und die Ausstattung verfügte, um gemeinsam mit uns in die Umsetzung zu gehen. Für uns war schnell klar, wo wir anfangen.
Wir bauen Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten, betreiben ein Kinderheim und unterstützen viele weitere Projekte im Infrastrukturbereich. Möbel werden überall gebraucht. Was lag also näher, als genau dort anzusetzen? Bambusmöbel.

Sie sind greifbar, direkt einsetzbar und ermöglichen es uns, die gesamte Wertschöpfung vom Material bis zum fertigen Produkt Schritt für Schritt aufzubauen.
So konnten wir nicht nur direkt starten, sondern gleichzeitig praktische Erfahrungen sammeln und erste Lösungen entwickeln, die wir weiter ausbauen können.

Wie es weitergeht
Das war der Anfang unserer Reise. Beim nächsten Mal nehme ich euch mit in die Werkstatt, dorthin, wo aus Bambus die ersten Möbel entstanden sind. Ich freue mich, wenn ihr mich auf diesem Weg begleitet.
Liebe Grüße
Eure Bettina